LÖBLICHE SINGERGESELLSCHAFT
VON 1501
PFORZHEIM


Bildnachweis: Fotos vom Melanchthonhaus: Kultur Büro Michael Schödel, Reutlingen

Dieter Uber und Hans Ulmer führten die Löblichen Singer gemeinsam mit einem Stadtführer der Stadt Bretten durch das historische Innenstadt-Areal. Höhepunkt der Stadtbesichtigung war der Besuch des Melanchthonhauses. Unsere Fotos zeigen das Melanchthonhaus von außen (2.v.l.) und von innen mit einem Blick in die Gedächtnishalle (3.v.l.)

Bericht über
die heimatkundliche Sommerfahrt 2003 nach Bretten.

Die Löblichen Singer, Melanchthon und Reuchlin

 
Bericht
Der Spurensuche einer großen gemeinschaftlichen Vergangenheit galt die traditionelle Sommerfahrt
der Löblichen Singergesellschaft von 1501 Pforzheim. Rund 50 Singer und Gäste mit Damen
besuchten Pforzheims attraktive Nachbarstadt Bretten. Beide Kommunen verbindet eine große humanistische Vergangenheit, repräsentiert jeweils durch die berühmtesten Söhne der Stadt:
Philipp Melanchthon in Bretten, Johannes Reuchlin in Pforzheim.

Während Bretten im Melanchthon-Haus bereits seit 1903 den großen deutschen Reformator
und Mitstreiter Martin Luthers gebührlich würdigt - fehlt der Stadt Pforzheim ein entsprechender
musealer Rahmen für Reuchlin bis heute.

Nicht nur unter diesen Aspekten betrachteten die gemeinschaftlich angereisten Singer sehr
aufmerksam das zum 100jährigen Jubiläum neugestalteten Melanchthon-Haus in Bretten:
Ein interaktives Konzept, unter Einbindung moderner Gestaltungs- und virtueller Informations-
medien wie Licht und Computer werten dort die musealen historischen Bestände wie Bücher,
Grafiken und Ölbilder zeitgemäß auf. Und vermitteln umfangreiches und vertiefendes Wissen
zu Melanchthon, Reformation und Humanismus.

Natürlich hat Bretten gegenüber Pforzheim den Vorteil, dass der alte Stadtkern und die
historischen Bücher aus dem 16. Jahrhundert erhalten geblieben sind. Aber in Pforzheim
könnten, bei entsprechendem Wollen, Leben und Werk Reuchlins auch so vorgestellt werden.

Zumal das Reuchlin Jahr 2005 direkt vor der Haustür steht, liegen solche Gedanken auf der
Hand. Den 550. Geburtstag Reuchlins in einem entsprechenden Rahmen öffentlich zu
begehen, hat die Löbliche Singergesellschaft von 1501 anlässlich ihrer Hauptversammlung
am Dreikönigstag dieses Jahres öffentlich angeregt. Und dazu auch das Motto geliefert:
Reuchlin. Der Humanismus und die Goldstadt. Mit dem Ziel, das Image der Stadt Pforzheim
landesweit aufzupolieren, als besucherattraktive Stadt.

Zwar schmücken sich in Pforzheim u.a. Reuchlin Gymnasium, Reuchlinhaus und die
Reuchlin Loge mit dem Namen des berühmten Humanisten - deutlich gebündelte und
öffentlich zugänglich dargestellte Spuren von Johannes Reuchlin vermißt man jedoch in der Stadt.

So ist es natürlich nicht verwunderlich, wenn die Löblichen Singer, deren Geschichte ja
auch zu Lebzeiten Reuchlins im 16. Jahrhundert ihre Ursprünge hat, besonders angetan
waren von der würdigen, öffentlichen Repräsentanz Melanchthons im Brettener Melanchthon-
haus im Herz der Stadt. Dies lobten die Reiseführer der Gesellschaft, die Vorstände
Dieter Uber und Hans Ulmer.

Der gut gestalteten Führung durch das Melanchthonhaus schloss sich ein informativer
Rundgang, geleitet durch einen Stadtführer Brettens, durch die Ortsmitte an. Besichtigt wurde
unter anderem die Kreuzkirche. Natürlich wurden der Geschichte des "Brettener Hundles"
und des damit verbundenen Jahrhunderte alten Brettener Peter und Paul Festes genügend
Erzählraum eingeräumt.

Auch im Hinblick darauf, dass Bretten 2004 dann das 500-jährige Peter und Paul Fest groß
begehen wird, haben die Löblichen von ihren Nachbarn aus Bretten im Umgang mit Stadt-
historie gelernt.

Sie werden dieses Wissen gemeinsam mit den eigenen Erfahrungen aus dem 500jährigen
Jubiläumsjahr 2001 der Löblichen, in die Bemühungen der eigenen Kommune zum Reuchlin
Jahr 2005 einbringen. Dies versicherten uns der Obermeister der Gesellschaft, Frank Hirschfeld
und der Leiter des Arbeitskreises Reuchlin 2005, Claus Kuge. Im Pforzheimer Rathaus sind
sie dabei bereits auf offene Ohren gestoßen: bei der Oberbürgermeisterin Christel Augenstein
und dem Kulturbürgermeister Gert Hager. Letzterer hat vor wenigen Tagen den offiziellen
Startschuß zu Pforzheims Aktivitäten im Reuchlin-Jubiläumsjahr 2005 gegeben.
Nomen est omen im Reuchlinhaus.

Claus Kuge

100 Jahre Melanchthonhaus Bretten

Den nachstehenden Text haben wir mit freundlicher Genehmigung dem
Veranstaltungskalender 2003 der Stadt Bretten entnommen:

Oberbürgermeister Paul Metzger
zur Bedeutung des Melanchthonhauses Bretten:

"Mit beherztem und beeindruckendem Engagement hatte der Berliner Kirchenhistoriker und
Archäologe Prof. Dr. Nikolaus Müller den Plan der Neuerrichtung des Melanchthonhauses in der Geburtsstadt Philipp Melanchthons in Bretten vor einhundert Jahren umgesetzt.

Müller hatte nicht nur mit dem Neubau, sondern auch mit der von ihm gestifteten Sammlung von Melanchthondrucken, Graphiken, Münzen und Medaillen den Grundstein gelegt für eine der
bedeutendsten reformationsgeschichtlichen Gedenkstätten und Forschungseinrichtungen in der
heutigen Bundesrepublik Deutschland.

Mit dem Engagement des Melanchthonvereins, vor allem aber seit sich der Gemeinderat in Bretten seit 1986 dem kulturellen Erbe des größten Sohnes seiner Stadt angenommen hat, konnte sich das Melanchthonhaus als wichtige kulturpolitische und wissenschaftlich anerkannte Forschungseinrichtung
mit europäischer Ausstrahlung einen Namen machen.

Das einhundertjährige Jubiläum im Jahr 2003 stellt daher gleichermaßen eine Rückbesinnung auf die Anfänge des Melanchthonhauses wie auch eine Standortbestimmung seiner kulturellen, ökumenischen
und wissenschaftlichen Aufgaben im heutigen Europa dar."

Philipp Melanchthon - Chronologischer Lebenslauf

1497
Am 16. Februar wird Philipp Melanchthon als erster Sohn des Rüstmeisters Georg Schwartzerdt in Bretten geboren.

1508
Lateinschüler in Pforzheim; er lebt bei einer Verwandten, der Schwester des Pforzheimer Humanisten Johannes Reuchlin, der seinem Namen die griechische Form gab. (Schwartzerdt = Melanchthon)

1509
Student in Heidelberg.

1511
Baccalaureus artium in Heidelberg.

1512
zunächst als Student, ab 1514 als Magister und Universitätslehrer (für Anfänger) in Tübingen;
er verfaßt eine griechische Grammatik.

1518
Auf Empfehlung Reuchlins wird Melanchthon Professor für griechische Sprache in Wittenberg. Programmatische Antrittsrede über die Studienreform. Beginn der Freundschaft mit Luther.

1519
Melanchthon begleitet Luther auf die Lepziger Disputation. Baccalaureus biblicus in Wittenberg.

1520
Heirat mit Katharina Krapp.

1522
Unter Mitarbeit Melanchthons erscheint Luthers deutsche Übersetzung des Neuen Testaments.

1523
Als treibende Kraft der Wittenberger Universitätsreform wird Melanchthon Rektor der Universität;
er führt Deklamationen ein.

1524
Auf einer Reise nach bretten vergeblicher Versuch des Kardinals Campeggio, ihn von der
Partei Luthers abzuwerben. Auf der Heimreise Begegnung mit Landgraf Philipp von Hessen.

1527
Melanchthon bei der Kirchen- und Schulvisitation in Thüringen.

1528
Melanchthons "Unterricht der Visitatoren" mit Vorrede Luthers.

1529
Teilnahme am zweiten Speyerer Reichstag. Teilnahme am Marburger Religionsgespräch
(Abendmahlsstreit Luther - Zwingli).

1530
Augsburger Reichstag: Philipp Melanchthon verfaßt die Confessio Augustana.

1534
Luthers deutsche Übersetzung der ganzen Bibel vollendet. Melanchthon hat ihn dabei mti seinen Sprachkenntnissen unterstützt.

1536
Melanchthon reist nach Bretten und Tübingen (Universitätsreform).

1540
Doppelehre des Landgrafen Philipp von Hessen. Melanchthon erkrankt schwer in Weimar.

1540/1541
Religionsgespräche in Worms und Regensburg (Melanchthon - Eck).

1547
Schmalkaldischer Krieg: Melanchthon bringt seine Familie und sich in Zerbst und in Nordhausen
in Sicherheit.

1557
Melanchthon auf dem zweiten Religionsgespräch in Worms und in Heidelberg (Universitätsreform). Melanchthons Frau stirbt am 11. Oktober.

1560
Melanchthon stibt am 19. April.

Die Konzeption und Ausführung des Museums-Umbaues in Bretten
erfolgte durch das

KulturBüro
Michael Schödel
Heppstraße 113
D-72770 Reutlingen
Telefon 07121/545 71
Telefax 07121/506 829.

Die Fotos aus dem Melanchthonhaus haben wir mit freundlicher Genehmigung
des KulturBüros verwendet.

Weitere Infos unter:
www.kulturbuero-schoedel.de

Das Melanchthonhaus in Bretten können Sie virtuell besuchen unter:
www.melanchthon.com

Kontakt:
Melanchthonhaus Bretten
Melanchthonstraße 1
75015 Bretten
Telefon 07252/9441-10
Telefax 07252/9441-16

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Freitag:
10.00 bis 12.00 Uhr
14.00 bis 17.00 Uhr
Samstag:
14.00 bis 17.00 Uhr
Sonntag:
11.00 bis 13.00 Uhr
14.00 bis 17.00 Uhr

Führungen nach Vereinbarungen für Gruppen und Einzelpersonen über die
Stadtinformation Bretten:
Marktplatz 1
75015 Bretten
Telefon 07252/957 620

Öffnungszeiten der Stadtinformation:
Montag bis Freitag
10.00 bis 12.00 Uhr
14.00 bis 17.30 Uhr
Samstag
10.00 bis 12.00 Uhr



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Der Neubau des heutigen Melanchthon-Gedächtnishauses erfolgte an der Stelle des ursprünglichen Geburtshauses von Philipp Melanchthon in den Jahren zwischen 1897 und 1903

Blick ins Humanistenzimmer

Interaktive Medien helfen bei gezielten Recherchen
Blick ins Städtezimmer
Interaktiver-Arbeitsplatz im Fürstenzimmer
Blick ins Fürstenzimmer
Blick ins Theologenzimmer
Philipp Melanchthon,
1526 porträtiert von Albrecht Dürer
Im Erdgeschoss des Melanchthonhauses Bretten befindet sich die Gedächtnishalle an deren Wände die Lebensstationen von Philipp Melanchthon in prächtigen Bildern festgehalten ist. Unsere Abbildung zeigt Melanchthon als Kind auf dem Marktplatz in Bretten.
Pforzheims großer Sohn und Humanist Johannes Reuchlin war der Onkel von Philipp Melanchthon. Melanchthon lebte 1508 als Lateinschüler in Pforzheim.
Am 15. März 1509 erhielt Melanchthon die "Humanistentaufe": Reuchlin schenkte seinem 12jährigen Großneffen ein Exemplar der 1480 in Mailand gedruckten griechischen Gramatik des Konstantin Laskarsis. In das Buch klebte Reuchlin sein Wappen und versah es mit einer handgeschriebenen Widmung.

Unsere Buchtipps
zum Thema
Melanchthon
und
Pforzheimer Lateinschule:

Fragmenta Melanchthoniana
Gedenken und Rezeption - 100 Jahre Melanchthonhaus
herausgegeben von
Güntr Frank und
Sebastian Lalla
Band 2

Im Jahr 2003 feierte das Melanchthonhaus in Bretten sein 100 jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass veröffentlichte das Melanchthonhaus eine Festschrift, in der die wissenschaftlichen Beiträge im Umkreis des Jubiläumsjahres veröffentlicht wurden, die sich dem Gedenken und der Wirkung Melanchthons, aber auch des Melanchthonhauses widmen.

"Lesen, Exercieren und Examinieren"
Die Geschichte der Pforzheimer Lateinschule
Höhere Bildung in Südwestdeutschland vom Mittelalter zur Neuzeit
von
Hans-Jürgen Kremer

Die Geschichte der Pforzheimer Lateinschule liefert einen wichtigen epochenübergreifenden Beitrag zur Schulgeschichte Pforzheims vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert. Auf umfassender Quellengrundlage erarbeitet, beleuchtet das Buch anschaulich bislang wenig beachtete Vorgänge und rekonstruiert unbekannte Zusammenhänge zwischen höherer Bildung, Schulwesen und Gesellschaft, die häufig weit über den lokalen Rahmen hinaus reichten.

Copyright bei CKK Pforzheim, Stand 06.01.2015